Mittwoch, 3. August 2022, 20 Uhr

Eröffnungskonzert der Stadtwerke Kamp-Lintfort

Pferdestall im Schirrhof Kamp-Lintfort

Richard Strauss: Sextett für Streicher aus der Oper Capriccio, op.85
Ludwig van Beethoven: Klaviertrio G-Dur, op.1,2
Johannes Brahms: Klaviertrio Nr.2 C-Dur, op.87


Die heile Welt des 18. Jahrhunderts thematisiert der 80-jährige Richard Strauss in seiner letzten Oper Capriccio. Zu Beginn der Handlung erklingt ein Streichsextett aus dem Gartensaal eines Schlosses und die hohen Herrschaften lauschen… Die Handlung ist ein gelehrt-galante Widerstreit zwischen Wort und Ton auf der Opernbühne und die Liebe zweier junger Künstler zu einer Gräfin. Sie suggeriert „L’art pour l’art“, Schönheit und Kunst um ihrer selbst willen in Mitten des zweiten Weltkriegs 1942 mit den Stilmitteln des späten 19. Jahrhunderts in der Tradition der großen Brahms-Sextette.

Beethovens G-Dur-Trio, op. 1, 2 ist ohne Vorbild aus der Kammermusik Mozarts oder Haydns; Beethoven hat hier Sinfonisches auf das Medium des Klaviertrios übertragen, dessen Grenzen er damit ganz bewußt erweiterte. Die langsame Einleitung des ersten Satzes mit ihrer rhythmischen Beschleunigung und den extremen Sforzato-Effekten zeigt die Kraft seiner Schöpfungen. Völlig neu im Medium des Klaviertrios war auch die Loslösung des Cellos von Basslinie des Klaviers. Es kann sich frei, teils virtuos, teils kantabel entfalten und vor allem mit der Violine in kontrapunktischen Zusammenhang treten.

Die Dekade 1876-1885 bildet im Schaffen von Johannes Brahms das sinfonische Jahrzehnt. Neben seinen vier Sinfonien, den beiden Ouvertüren, dem Violin- und dem 2. Klavierkonzert entstanden damals nur ganz wenige Kammermusiken. Der Sommer 1882, den Brahms im lieblichen Salzkammergut in Bad Ischl verbrachte, führte zu einem solchen Intermezzo kammermusikalischer Art. Damals entstanden das 2. Klaviertrio, op. 87. Um seine formalen und klanglichen Besonderheiten zu würdigen, muss man bedenken, dass es in unmittelbarer Nähe zum 1881 vollendeten 2. Klavierkonzert entstand. Es bildet dessen kammermusikalisches Gegenstück, sowohl, was den raumgreifenden Klavierpart, als auch was die Breite und Komplexität der Formen betrifft.

Donnerstag, 4. August 2022, 20 Uhr

Konzert im Kloster

Rokokosaal Kloster Kamp

Gustav Mahler: Klavierquartettsatz a-Moll
Richard Strauss: Sonate Es-Dur für Violine und Klavier, op.18
Ludwig van Beethoven: Streichquintett c-Moll, op.104


Gustav Mahlers Quartettsatz in a-Moll ist das Frühwerk eines Sechzehnjährigen. Dass der Sinfoniker Mahler überhaupt Kammermusik geschrieben hat, war schon zu seinen Lebzeiten kaum bekannt. Das lag an seinem leichtsinnigen Umgang mit den Jugendwerken, die schon 1896 weitgehend verloren waren. Darunter befanden sich mehrere preisgekrönte Stücke, wie eine Violinsonate und zwei Klavierquintette. “Das Beste davon war ein Klavierquartett”, berichtete Mahler selbst, welches am Schluss der vierjährigen Konservatoriumszeit entstand und großen Gefallen erregte.

Mit seiner einzigen Violinsonate gelang dem 23-jährigen Richard Strauss ein Geniestreich - wie in so manch anderem Werk aus seiner Jugend. Es war die Talentprobe eines kraftstrotzenden jungen Genies, das sich 1887 von München aus anschickte, seiner Generation den Weg in die sinfonische Zukunft zu weisen. Zwischen den ersten Versuchen in diese Richtung, der Suite Aus Italien und der sinfonischen Dichtung Don Juan, schrieb Strauss “die” deutsche Violinsonate des Fin de Siècle, ein funkelnd geistreiches Stück, dessen Virtuosität und Farbigkeit alle Grenzen sprengt, die sich etwa ein Johannes Brahms in seinen Violinsonaten selbst gesetzt hatte.

Mit Beethovens eigener Bearbeitung seines Trios Op.1 Nr. 3 für Streichquintett op.104 gibt er seinem bemerkenswerten Frühwerk einen noch dunkleren und romantischeren Ausdruck. Interessant wird op. 104 dadurch, dass sich in dieser Revision zugleich Beethovens weiter- entwickeltes kompositorisches Verständnis und seine Vorstellung von einem fünfstimmigen Satz niederschlägt.

Samstag, 6. August 2022, 17 Uhr

Soirée

Johanniskirche zu Rayen

Ludwig van Beethoven: Streichtrio D-Dur für Violine, op.9,2
Ludwig van Beethoven: Duo Es-Dur für Viola und Violoncello, WoO 32, “Duett mit zwei obligaten Augengläsern”
Antonín Dvorák: Streichquintett Es-Dur, op.97


In seinem D-Dur-Trio Opus 9 Nr. 2 hat Beethoven anders als in den dramatischen Schwesterwerken, eher die lyrischen Facetten als den majestätischen Glanz der Tonart betont. Freilich offenbart sich auch hier der neue, expansive Kunstanspruch des jungen Beethoven. Mit der 4-Sätzigkeit, der Länge und dem symphonischen Grundgedanken wird deutlich, dass Beethoven, anders noch als op. 3 oder op.8, diese sehr anspruchsvollen Werke für Streichtrio eher für eine Aufführung in einem Konzertsaal schrieb.

Beethovens Humor, eine zumeist unterschätzte Facette seiner Persönlichkeit, trug mitunter kuriose musikalische Früchte. Eine solche ist das “Duett mit zwei obligaten Augengläsern”, dass sich erst Ende des 19. Jahrhunderts unter diesem Titel in einem Skizzenband des Meisters fand. Wer die Wiener Brillenträger waren, für die Beethoven dieses Duo skizzierte, ist unbekannt. Sie spielten Viola und Violoncello und teilten außer dem “Paroxismus” auch eine Vorliebe für eher konservativ klassische Musik. Denn Beethovens Duo erinnert teilweise noch an die Musik der “Mannheimer Schule”.

Antonín Dvořák Streichquintett Es-Dur ist ein künstlerisches Ergebnis seiner, durch die 9. Sinfonie, berühmt gewordenen Reise „in die Neue Welt“. Aus derselben klangen seine musikalischen Botschaften nicht nur nach Europa herüber. Der Tscheche Dvorak war – als prominentester Vertreter der Nationalschulen Osteuropas – ganz bewußt nach New York eingeladen worden, um den Amerikanern den Weg zu einer eigenen Nationalmusik zu weisen. Mit seinem Streichquintett Es-Dur „Aus einer anderen Welt“ erweckt er den Eindruck einer spontanen, unverbrauchten Musik, die den Blick zugleich wehmütig in die Ferne schweifen lässt. Die Inspirationsquelle dafür fand Dvorak im Sommer 1893 in der tschechischen Siedlung Spillville in Iowa, einer jener Enklaven, die sich europäische Einwanderer in Amerika schufen, um die Kultur ihrer Heimat zu bewahren.

Samstag, 6. August 2022, 21 Uhr

Nachtkonzert – Tango Sensation
Kammermusikfest meets Tango Argentino

Wellings Depot, Kamp-Lintfort

Sarita Apel und Andres Bravo (NY), Tanz
Musik von Astor Piazzolla u.a.


Die Ursprünge des Tangos entstand zwischen 1850 und 1880 im Süden von Buenos Aires, im Hafenviertel La Boca. Ein fröhlicher Tanz, aus schwarzen, kreolischen und spanischen Elementen zusammengemischt. Die geselligen Anlässe, an denen man diese Musik tanzte, wurden "Milongas" genannt, was in etwa dem Wort "Wirrwarr" gleichkommt und somit für sich spricht.

Um die Jahrhundertwende gab es in Buenos Aires mehr italienische Einwanderer als Argentinier, die sich zu dieser Musik sehr hingezogen fühlten. Die sozial -gesellschaftlichen Probleme wie: zu wenig Arbeit, zu wenig Ansehen, zu wenig Frauen, blieb vielen mittellosen Einwanderern nur der Ausweg in die Kriminalität, in Spielhöllen und ... in der Musik. Die Vororte, die Barrios, von Buenos Aires entwickelten sich dementsprechend und wurden zur Wiege des Tangos, der einst zum Symbol von ganz Argentinien werden sollte.

„Ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“ Von all den Hoffnungen war den Immigranten nur das geblieben: ein leicht erotisch wirkender, eleganter Tanz, in dem die „Machos“ auf Tuchfühlung mit den (damals) wenigen Frauen gehen konnten, sich stark, furchtlos, traurig und einsam auf dem Parkett ausdrücken konnten. Melancholie und die Wehmut prägen die Musik und den Ausdruck im Tanz.

Das Bandoneon, die Seele des Tangos Matrosen brachten gegen Ende des vorigen Jahrhunderts das Instrument nach Buenos Aires, welches heute im Tango nicht mehr wegzudenken ist - das Bandoneon, die Seele des Tangos. 1840 wurde es vom deutschen Musiklehrer Heinrich Band aus der einfacheren deutschen Konzertina weiterentwickelt: 144 Töne, die aber erst in Argentinien ihren Ausdruck, ihre wahre Berufung fanden.

Sonntag, 7. August 2022, 11 Uhr

Matinée

Schloss Ossenberg

Richard Strauss: Sonate F-Dur für Violoncello und Klavier, op.6
Ludwig von Beethoven: Variationen Es-Dur für Klaviertrio, op.44
Richard Strauss: Klavierquartett c-Moll, op.13


Frühjahr 1881 in Staffelstein. Richard Strauss, 16 Jahre alt, Gymnasiast aus München und Sohn des Solohornisten der dortigen Hofkapelle, schreibt für seinen Freund Hans Wihan eine Cellosonate. Das prachtvolle Werk zeugt von einem großen Selbstbewusstsein des noch sehr jungen Komponisten, der seine musikalischen Kräfte zur Schau stellt.


Über die Entstehungsgeschichte der Variationen Es-Dur für Klaviertrio, op.44 von Ludwig van Beethoven wissen wir nahezu nichts. Das fertige Werk wurde erst im Jänner 1804 veröffentlicht; stilistische Merkmale legen eine Entstehungszeit nicht nach 1800 nahe. Das Thema der Variationen wurde bis vor kurzem Beethoven selbst zugeschrieben. Erst 1991 hat es Sieghard Brandenburg als das der Arie „Ja, ich muß mich von ihr scheiden“ aus der komischen Operette „Das rothe Käppchen“ von Carl Ditters von Dittersdorf identifizieren können. Die vierzehn Variationen sind ein Wunderwerk an subtiler Charakterisierung und raffiniertem Spiel mit vieldeutigen Details.


Richard Strauss hat als junger Komponist breite Unterstützung durch die öffentliche Hand erfahren, die er durch seine rasante kompositorische Entwicklung vollauf rechtfertigte. Selbst Johannes Brahms sah in dem jungen Münchner Komponisten eine bedeutende Begabung, während er im Allgemeinen der Vergabe von Stipendien an den Nachwuchs skeptisch gegenüberstand: „Früher hatten wir Genies und keine Stipendien, heute haben wir Stipendien. Aber wo sind die Genies?“ Das Klavierquartett c-Moll des 19jährigen Strauss war ein Geniestreich, der sofort als solcher erkannt wurde. Es erhielt 1885 den 1. Preis im Kompositionswettbewerb des Berliner Tonkünstlervereins und wurde Ende des Jahres in Meiningen unter den Auspizien von Brahms und Bülow uraufgeführt.

Sonntag, 7. August 2022, 18 Uhr

Abschlusskonzert

Alte Sortierhalle Schloss Bloemersheim

Georgi Catoire: Klavierquintett g-Moll, op.28
Antonín Dvorák: Terzetto für zwei Violinen und Viola, op.74
Ludwig van Beethoven: Klaviertrio B-Dur „Erzherzogtrio“, op.97


Lange schlummerten die Werke des russischen Komponisten Georgi Catoire im Dunkel der Musikgeschichte. Peter Tschaikowsky schätzte seine musikalische Begabung und mit Sergej Tanejew und Nikolai Medtner war er eng befreundet. Doch anders als jene geriet der 1861 in Moskau geborene Georgi Catoire nach seinem Tod 1926 in Vergessenheit – und zwar so gründlich, dass sein Name nicht nur dem Publikum, sondern auch in Fachkreisen lange fast völlig fremd war. Das Klavierquintett entstand 1914 und zeigt die kompositorische Meisterschaft Catoires. Ein zu Unrecht vergessenes Meisterwerk.


Das 1887 entstandene Terzetto op. 74 verdanken wir Dvořáks spontanem Wunsch nach Hausmusik mit seinen Freunden. Dvorak wollte beweisen, was man mit begrenzten Mitteln erreichen kann: kein ausgiebiges Sonatenallegro zu Beginn, sondern eine charmante Einleitung, eine Art Vorwort zum melodisch wunderschönen Adagio. Das Scherzo, ein Furiant mit einem Ländler als Trio, wirkt so volkstümlich, als sei es gerade auf dem nächsten Tanzboden gespielt worden. Und im Finale hat Dvorak die Variationenform auf den kürzesten Nenner gebracht.


Beethovens Beziehungen zum Wiener Hochadel und zum Erzhaus der Habsburger waren von widersprüchlichen Gefühlen geprägt. Während der Meister josephinische, ja fast schon jakobinische Parolen vor sich hin brummte, wenn’s in einem Wiener Beisl ans Politisieren ging, pflegte er in den Palais der Stadt vertrauten Umgang mit der Hautevolee. Kein Komponist hat mehr Werke Standespersonen von Rang gewidmet und ist damit auf größere Gegenliebe gestoßen als er. 

Im “Erzherzogtrio” ist dieser Umstand sprichwörtlich geworden. Das 1811 komponierte B-Dur-Trio widmete er dem jungen Erzherzog Rudolph. Mit ihm, dem menschlichsten und musikalischsten Habsburger jener Epoche, verband den Maestro eine tiefe Freundschaft, die er in seinen Widmungen zum Ausdruck brachte. In diesem Klaviertrio übertrug er die breiten Dimensionen und die gesangliche Aura seiner neueren sinfonischen Werke auf die Kammermusik. Das Trio klingt so lyrisch wie das G-Dur-Klavierkonzert, so pastoral wie die Sechste Sinfonie und in den Klavierpassagen so raumgreifend wie im 5. Klavierkonzert. Beethovens Kunst der motivisch-thematischen Arbeit trumpft hier einmal nicht heroisch auf, sondern kleidet sich durchweg in breiten, liedhaften Gesang.

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