Dr. Dr. h. c. Konrad Schilling
gehört zu den prägenden Persönlichkeiten seiner Generation.
Er hatte die Chance, nach der Überwindung der Nazidiktatur und dem totalen
Zusammenbruch Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg zusammen mit vielen anderen
jungen Menschen am Aufbau eines friedlichen, weltoffenen und der Völkerverständigung
aufgeschlossenen neuen Deutschlands mitzuwirken. Die Überwindung der Isolierung
in Europa und der Welt, das Ringen um Demokratie und Toleranz, die Aufarbeitung
der Verbrechen der Vergangenheit und die Vermittlung einer aufgeschlossenen
engagierten Grundhaltung der neuen Jugendgenerationen als Lehrender, ließen
Konrad Schilling schon wenige Jahre nach dem Krieg nach Südamerika
und Israel reisen, später nach Polen, England, Frankreich, in die Sowjetunion
und Litauen.
Eine große Ehre wuchs ihm zu, als er von der Stadt Köln beauftragt
wurde, die bedeutende kulturgeschichtliche Ausstellung "MONUMENTA JUDAICA.
2000 Jahre Geschichte und Kultur der Juden am Rhein" vorzubereiten
und 1963/1964 mit einem großen Wissenschaftlerstab durchzuführen. Der
Zentralrat der Juden in Deutschland ehrte ihn als einen der ersten in einer
langen Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten 1964 mit der Verleihung
des Leo-Baeck-Preises. Die Ausstellung gilt noch heute mit mehr als 130.000
Besuchern als einmalig in ihrer Art.
Konrad Schilling gilt als kulturpolitisch pragmatisch, aber auch visionär
in seiner weit gespannten und äußerst differenzierten Arbeit, was er
als Kulturdezernent von 1976 bis 1992 in Duisburg und über viele Jahre
- auch publizistisch - für das Ruhrgebiet insbesondere unter Beweis
gestellt hat. Dabei waren ihm Hochkultur wie Breitenkultur gleich wichtig:
Ich denke an das Kinderkulturprogramm „DER SPIELKORB“, die Errichtung von
KULTUR- und FREIZEITZENTREN in den Stadtbezirken wie auch an die Einrichtung
von Künstlerhäusern und Museen, OPER und PHILHARMONIE, DUISBURGER
AKZENTEN und jährlichen INTERNATIONALEN MUSIKFESTEN galt seine unermüdliche
Tätigkeit ebenso wie den Programmen KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM und
völkerverbindenden Aktivitäten.
Konrad Schilling besitzt eine unerschöpfliche Gestaltungskraft; ihn
zeichnet der Wille aus, jungen Menschen - bildenden und gestaltenden -,
musikalisch und tänzerisch Aufstrebenden seine Unterstützung und
Förderung zuteil werden lassen und dabei auch kühnen Lösungen
Wege zu ebnen. Ob es nun ein inzwischen weltberühmter Geiger war oder
eine junge Tänzerin – Konrad Schilling hat früh Talente erkannt
und gezielt gefördert. In diesem Zusammenhang sind besonders die gemeinsam
mit Ulla Weltike durchgeführten Großprojekte des EUROPÄISCHEN JUGENDTANZFESTIVALS
und des Projektes „TANZAUFRUHR“, das der Initiativkreis Ruhrgebiet ermöglichte,
dessen Kulturbeauftragter er war, zu nennen. Auf diesem Feld gab es bereits
1990 eine enge schöpferische Zusammenarbeit mit ROYSTON MALDOOM, der
2005 durch sein Projekt mit den Berliner Philharmonikern und Sir Simon Rattle
„RHYTHM IS IT!“ internationale Bekanntheit erreicht hat.
Dr. Konrad Schilling hat die KULTURMETROPOLE RUHR in ihrem Werden beeinflussen
können, hat künstlerische Akzente gesetzt, durch seine Liebe zur
Kunst und seinen machtvollen Einsatz für den Nachwuchs starke prägende
Kräfte feigesetzt.
Es ist für das Kindermusikfestival Kloster Kamp Ansporn und Freude
zugleich, ihn an seiner Seite zu wissen. Für die Übernahme der Schirmherrschaft
danken wir ihm herzlich.
Mai 2010, Alexander Hülshoff
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